Performance für 8 Akkordeonist:innen und ein Akkordeonorchester
2026 steht das Akkordeon im Mittelpunkt: Zum „Instrument des Jahres“ gekürt, rückt es in den Fokus einer musikalischen Neubetrachtung zwischen Tradition und Avantgarde. Mit dem Projekt ZUGumZUG widmen sich die Akkordeonistinnen Eva Zöllner und Ute Völker gemeinsam mit sechs herausragenden Kolleg:innen und fünf Akkordeonorchestern an verschiedenen Standorten in Deutschland genau diesem Spannungsfeld – und eröffnen neue Perspektiven auf ein Instrument, das viel zu lange unterschätzt wurde.
200 Jahre Tradition trifft auf Avantgarde
Tief verwurzelt in der Volksmusik Europas und eng verbunden mit der Arbeiterkultur des 20. Jahrhunderts, war das Akkordeon bis in die späten 1970er Jahre hinein ein prägender Bestandteil des musikalischen Lebens in Deutschland. Seit den 1980er Jahren hat es sich zugleich einen festen Platz in zeitgenössischer und klassischer Musik erarbeitet. Dennoch kämpft insbesondere die traditionsreiche Kultur der Akkordeonorchester heute ums Überleben – ein Verlust, der weit über das Verschwinden eines Klangkörpers hinausgeht.Hier setzt ZUGumZUG an: Rund 200 Jahre nach der Erfindung der ersten Handzuginstrumente wird der Klangapparat eines Akkordeonorchesters neu gedacht. In einem experimentellen Prozess entwickeln die beteiligten Musiker:innen ein Programm, das Improvisation, Komposition und Performance miteinander verbindet. Bestehende Werke werden transformiert, folkloristische Elemente aufgegriffen und in einen zeitgenössischen Kontext überführt. Raum, Bewegung und Klang verschmelzen zu einem immersiven Konzerterlebnis.
Dreiteiliger Konzertabend
Den Auftakt des Konzerts bildet eine eigens für das Projekt komponierte Arbeit des uruguayischen Komponisten Osvaldo Budón. Die Komposition ist für frei im Raum agierende Akkordeonist:innen konzipiert und verbindet Klang und Bewegung zu einer dichten, körperlichen Erfahrung. Die Choreographie stammt von Thusnelda Mercy und erweitert das musikalische Geschehen um eine visuelle und performative Dimension, in der sich die Musiker:innen als bewegte Klangkörper durch den Raum entfalten.
Im zweiten Teil treten die beteiligten Akkordeonorchester selbst in den Vordergrund und präsentieren ausgewählte Werke aus ihrem eigenen Repertoire. So wird die Vielfalt und Lebendigkeit der bestehenden Akkordeonorchester-Szene unmittelbar erfahrbar und in ihrer ganzen stilistischen Bandbreite hörbar gemacht.
Der dritte Teil führt schließlich zum erweiterten Zusammenspiel: Hier präsentiert das Projektensemble ein gemeinsam entwickeltes Programm aus Improvisationen, strukturellen Konzepten und bearbeiteten Werken unterschiedlicher Genres. Zugleich kommt es zu Begegnungen mit den Orchestern, bei denen sich die verschiedenen musikalischen Ansätze überlagern und verbinden. Das Akkordeon wird in seiner ganzen Bandbreite erfahrbar – von folkloristisch geprägten Klangfarben bis hin zu elektronisch anmutenden Texturen.
Klangapparat mit Ausdrucksstärke
Wenn sich schließlich 30 oder mehr Akkordeons im Raum bewegen, entsteht ein einzigartiges Klangerlebnis: dichte Klangflächen, fragile Linien, sich überlagernde Strukturen und bewegte Klangwolken umgeben das Publikum. Das Akkordeon – als einziges polyphones Instrument, das sich frei im Raum entfalten kann – wird hier selbst zum performativen Medium.ZUGumZUG ist ein Spiel mit Nähe und Distanz, mit Dichte und Transparenz, mit Vergangenheit und Zukunft – und ein kraftvolles Plädoyer für die klangliche Vielfalt und Ausdrucksstärke eines Instruments, das es neu zu entdecken gilt.